Manche Desktops zeigen ein ruhiges Landschaftsbild. Andere zeigen Dateien. Sehr viele Dateien. So viele, dass das Landschaftsbild nur noch archäologisch nachweisbar ist.
Bei einem Kunden bedeckten Symbole den gesamten Bildschirm. Rechnungen lagen neben Urlaubsfotos, Installationsdateien neben Steuerunterlagen. Eine Datei trug den Namen „Wichtig“, eine zweite „Sehr wichtig“ und eine dritte „Das hier nehmen“.
„Ich arbeite visuell“, erklärte er.
Der Desktop war weniger Ablage als Biotop. Dokumente wanderten dorthin, vermehrten sich und wurden nie wieder gestört. Jeden Morgen suchte der Kunde mehrere Minuten nach dem richtigen Angebot. Aufs Jahr gerechnet entstand daraus ein kleiner Zusatzurlaub – leider ausschließlich für die Maus.
Gemeinsam legten wir eine einfache Struktur an: Kunden, Verwaltung, Projekte und Archiv. Dateien bekamen verständliche Namen mit Datum und Inhalt. Aktuelle Vorgänge durften vorübergehend auf dem Desktop liegen, mussten danach aber ausziehen.
Ordnung ist kein Selbstzweck. Sie spart Zeit, verhindert falsche Dateiversionen und macht Sicherungen übersichtlicher. Dabei sollte die Struktur einfach bleiben. Wer 48 Unterordner braucht, um eine Rechnung abzulegen, wird sie künftig wieder auf den Desktop werfen.
Am Ende erschien das Hintergrundbild: ein einsamer Strand. „Den habe ich ja ewig nicht gesehen“, sagte der Kunde. Der Strand wirkte ebenfalls erleichtert.
Tipp des Tages
Wenige klare Hauptordner verwenden, Dateien sinnvoll benennen und einmal pro Woche den Desktop aufräumen.
Norddeutsche IT-Regel
Ablage ist, wenn man es wiederfindet. Alles andere ist Strandgut.
