„Bitte nichts schließen“, sagte die Kundin, noch bevor ich den Mac berührte. Safari zeigte 37 Tabs. Einige waren so schmal, dass selbst ihre Symbole Platzangst bekamen.
Jeder Tab stellte eine Aufgabe dar: eine Reise buchen, ein Rezept ausprobieren, Schuhe vergleichen, einen Artikel lesen und irgendwann die Stromrechnung prüfen. Safari war Browser, Notizbuch und Gewissensspeicher in Personalunion.
Das Problem: Tabs sind flüchtig, unübersichtlich und nicht automatisch eine verlässliche Merkliste. Nach einem Update oder einer falschen Bedienung kann die Sitzung verschwinden. Außerdem wird aus „Das lese ich später“ erstaunlich schnell „Warum spielt irgendwo Musik?“
Wir sortierten die Seiten. Wirklich wichtige Links kamen in Lesezeichenordner oder die Leseliste. Konkrete Aufgaben wanderten in eine Aufgaben-App. Der Rest wurde geschlossen – teilweise nach kurzen Abschiedszeremonien.
Moderne Browser können viele Tabs technisch bewältigen. Die eigentliche Belastungsgrenze sitzt oft vor dem Bildschirm. Wenn man nicht mehr weiß, welcher Tab wofür geöffnet wurde, hilft zusätzliche Rechenleistung nur begrenzt.
Am Ende blieben fünf Tabs übrig. Die Kundin wirkte gleichzeitig erleichtert und ein wenig schutzlos. Zwei Minuten später öffnete sie einen neuen Tab, um nach Tipps gegen zu viele Tabs zu suchen.
Tipp des Tages
Lesezeichen für Quellen, Leseliste für späteren Konsum und eine Aufgaben-App für echte Aufgaben verwenden.
Norddeutsche IT-Regel
Offen ist noch lange nicht erledigt.
