Der Desktop war beeindruckend. Nicht der Schreibtisch – der Bildschirm. Rund 280 Dateien lagen dort dicht an dicht: Rechnungen, Fotos, Angebote, Scans und mehrere Dokumente namens „Neu“, „Neu2“ und „Neu_final_wirklich“.

„Da finde ich alles“, erklärte der Besitzer. Das war mutig. Selbst der Mauszeiger wirkte, als suche er den Ausgang.

Auf die Frage nach dem Backup zeigte der Kunde auf den Bildschirm: „Die Sachen sind doch auf dem Desktop.“ Offenbar galt der Desktop als besonders sicherer Bereich – eine Art digitaler Tresor mit Hintergrundbild.

Doch der Desktop ist nur ein Ordner auf demselben Laufwerk wie viele andere Daten. Stirbt die SSD, wird das Benutzerkonto beschädigt oder löscht Schadsoftware Dateien, ist auch der schönste Desktop betroffen. Ordnung schafft Übersicht, aber keine zweite Kopie.

Ein Backup existiert erst, wenn Daten zusätzlich auf einem anderen Speichermedium oder in einem geeigneten Sicherungsdienst liegen. Auf dem Mac bietet sich beispielsweise Time Machine an. Unter Windows gibt es verschiedene Sicherungswege. Für geschäftliche Daten braucht es ein geprüftes Konzept mit regelmäßigen, automatisierten Sicherungen und Wiederherstellungstests.

Wir sortierten die wichtigsten Dateien, richteten eine Sicherung ein und testeten die Wiederherstellung. Der Desktop war danach fast leer. Der Kunde fragte, ob der Computer nun schneller sei. Zumindest konnte er wieder sehen, welches Hintergrundbild er seit 2019 hatte.

Tipp des Tages:
Eine automatische Sicherung einrichten und regelmäßig prüfen, ob sich Dateien wirklich wiederherstellen lassen.

Norddeutsche IT-Regel:
Was nur einmal existiert, ist schon halb weg.