Es gibt Sätze, die hört ein IT-Dienstleister häufiger als seinen eigenen Namen. Ganz vorne dabei: „Ich habe nichts gemacht!“
Dieser Satz fällt meist unmittelbar nach Ereignissen wie einer vollständigen Umgestaltung des Desktops, der Installation dreier Browser-Erweiterungen und dem überraschenden Verschwinden des E-Mail-Programms. All das geschah selbstverständlich ohne menschliches Zutun. Computer entwickeln schließlich nachts gern eigene Interessen.
„Seit heute Morgen ist alles anders“, erklärte mein Kunde. Auf dem Bildschirm blinkten Werbefenster, die Standardsuchmaschine bot günstige Kreuzfahrten an, und irgendwo spielte Musik. Der Rechner hatte mehr Unterhaltung im Angebot als ein Ferienpark.
Auf meine Frage, ob gestern etwas installiert worden sei, kam die klare Antwort: „Nein. Nur dieses kostenlose Programm zum Öffnen einer PDF.“ Mitinstalliert worden waren ein Systemoptimierer, ein Wetterdienst, zwei Symbolleisten und vermutlich die digitale Vertretung eines Gebrauchtwagenhändlers.
Das ist kein Grund für Häme. Installationsprogramme gestalten ihre Zusatzangebote gern so dezent wie Kleingedrucktes bei Kerzenschein. Ein schneller Klick auf „Weiter“ genügt, und der Computer bekommt neue Mitbewohner.
Nach einer gründlichen Reinigung war wieder Ruhe. Der Kunde versprach, künftig genauer hinzusehen. Ich versprach, den Satz „Ich habe nichts gemacht“ weiterhin als wertvollen Hinweis zu behandeln. Er bedeutet übersetzt meistens: „Ich habe etwas gemacht, wusste aber nicht, dass es wichtig sein könnte.“
Tipp des Tages:
Bei Installationen jeden Dialog lesen und Zusatzprogramme abwählen. „Kostenlos“ bezeichnet oft nur den Preis, nicht die Folgen.
Norddeutsche IT-Regel:
Von nix kommt nix – außer im Support. Da kommt von nix erstaunlich viel.
